22. Abstecher in den Amazonas

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22. Abstecher in den Amazonas

Für uns war von Anfang an klar, dass wir auf dieser Reise dem Amazonas einen Besuch abstatten würden. Unterwegs ergab sich immer wieder die Möglichkeit, jedoch verschoben wir dieses Vorhaben mehrmals aus diversen Gründen. In Ecuador war es dann aber allerhöchste Zeit, und so freuten wir uns riesig darauf, für fünf Tage in die Tiefen des Urwalds einzutauchen. Das erforderte insgesamt eine Tagesanreise per Bus sowie am ersten Tag weitere zwei Stunden im Bus und nochmals drei Stunden im Boot auf dem Río Cuyabeno, um im gleichnamigen Reservat zur Guacamayo Lodge zu gelangen. Die Fahrt im voll beladenen und dementsprechend schweren Boot war bereits ein Vorgeschmack auf die abenteuerreichen nächsten Tage. Da der Fluss voll mit reingefallenen Baumstämmen war und zu dieser Zeit fast kein Wasser mehr hatte, war die Fahrt etwas wackelig und holprig. Wir kamen zum Glück trocken an, sichteten unterwegs bereits einige Tiere und wurden freundlich in der Lodge empfangen.

Das Boot war für die meiste Zeit unser Fortbewegungsmittel, denn auf dem Wasser ging es wesentlich schneller vorwärts, als durch den verwachsenen Wald. Bei unseren Touren auf dem sich schlängelnden Fluss bekamen wir die Amazonasdelfine mehrmals zu sehen, die vor allem durch ihre rosa gefärbten Bäuche bekannt sind. Ab und zu bemerkten wir wildes Rascheln in den Baumkronen und bei näherem Hinsehen zeigten sich die Affen beim Spielen.

Wenn die Abenddämmerung einsetzt, entwickelt sich nicht nur eine magische Stimmung, dann erwacht im Amazonas alles zum Leben. Plötzlich sahen wir rund um uns die Augen der Kaimane aus dem Wasser blitzen. Zum Sonnenuntergang fuhren wir mehrmals zur nahe gelegenen Laguna Grande, welche jedoch aufgrund des fehlenden Wassers keine Lagune mehr war, sondern eine riesige Lichtung aus Schlamm. Glücklicherweise waren wir überhaupt nicht durch Mücken geplagt, dafür durften wir zum Einschlafen dem klangvollen Konzert unterschiedlichster Insekten zuhören. Im Allgemeinen löste die Tatsache, so weit von Zivilisation, Internet, Luxus, der Aussenwelt entfernt zu sein, eine innere Ruhe und Entspanntheit aus, die man sonst nur schwer erreicht, weil immer zu viel Ablenkung vorhanden ist.

Neben der Tier- und Pflanzenwelt hatten wir die Gelegenheit, ein indigenes Dorf zu besuchen und gemeinsam mit den Einwohnerinnen Casabe, ein Brot aus Maniok, herzustellen. Geduldig zeigten uns die Frauen Schritt für Schritt, wie man von der Ernte der Wurzel zum Leckerbissen im Mund kommt. Nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen hatten, besuchten wir in einem anderen Dorf einen Schamanen, welcher uns über seine Funktion als Medizinmann und Heiler aufklärte und demonstrierte, wie genau er mit seinem Blasrohr giftige Pfeile auf seine Beute schiesst.

Natürlich erkundeten wir den Amazonas nicht nur entlang des Flusses, sondern wagten uns mit Gummistiefeln ausgerüstet zu Fuss in den Wald hinein. Bei einem Rundgang tagsüber staunten wir vor allem über die verschiedenen Pflanzen, riesige Bäume, die teilweise so verwachsen miteinander waren, dass wir keinen Tropfen spürten, als es zu regnen begann. Auf diesem Ausflug wurde ich von einer Art Bremse gestochen und von unserem Guide erfuhr ich, dass die gerne ihre Eier unter unsere Haut legen und nach einiger Zeit die Made schlüpft. Was für eine ekelhafte Vorstellung, die mich erst beunruhigte und mir in der Nacht darauf schlechte Träume bescherte. Am nächsten Morgen beschloss ich, die Situation zu akzeptieren und zu schauen, was passiert, denn gefährlich war es nicht, nur eben sehr eklig… Mittlerweile gibt es Entwarnung und ich bin froh, dass ich Glück hatte und vor dieser Erfahrung bewahrt wurde!

Um die Vielfalt an Vögeln zu Gesicht zu bekommen, kletterten wir mehrmals früh morgens auf einen gut 40 Meter hohen Turm, damit wir freie Sicht über die Baumkronen hatten. Dort wurden belohnt mit dem Besuch von Tukanen und diversen Papageiarten.

Besonders interessant wurde es bei einem nächtlichen Spaziergang, denn da wimmelte es förmlich von Spinnen, Skorpionen, Fröschen und anderen mir bis dahin unbekannte Insekten. Ich kam kaum aus dem Staunen heraus, da wir gefühlt bei jedem Schritt wieder fast auf eine Spinne oder einen Skorpion traten. Das ist wohl nicht jedermanns Sache, aber mich faszinieren Spinnen unheimlich und ich bewundere auch, wie Schlangen sich mit ihrer glatten Haut so elegant fortbewegen können. Für mich war es das Highlight der ganzen Tour im Amazonas Der Rundgang fand seinen Höhepunkt am Ende, als wir zurückkamen und direkt neben der Lodge eine Boa entdeckten, die es sich dort gemütlich gemacht hatte.

Wir haben die Auszeit in der Natur in vollen Zügen genossen. Leider konnten wir kein Faultier entdecken, was wir uns sehr gewünscht hätten. Aber wir waren nun mal nicht im Zoo sondern dort, wo die Tiere sich frei bewegen und somit gibt es nie eine Garantie, sie tatsächlich zu sehen. So haben wir zumindest einen Grund, wieder einmal in den Dschungel auf Entdeckungsreise zu gehen!

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